kommt Ihnen das bekannt vor?
kennen Sie das als Betroffene:
- das Warum der eignen emotionalen Instabilität will sich einfach nicht greifen lassen!
- von einer Überforderung in die nächste!
- „warum“-Fragen des Umfelds setzen einen unter Druck!
- Schuldgefühle, nichts auf die Reihe zu bekommen!
- ständig zerbrechen wertvolle Beziehungen!
- ich bin es nicht wert zu leben!
- weiter leben, wozu?
- da gibt es so ein ungutes Gefühl über missbräuchliches Konsumverhalten / einer Sucht und die Frage: mit wem spreche ich darüber!
- Scham über erlebte körperliche Übergriffe erlebt!
- diese innere Leere ist nicht mehr auszuhalten!
-> aus eigener Erfahrung sind mir alle aufgezählten Punkte bekannt!
kennen Sie das als angehörige Person:
- die angebotene, aufopfernde Hilfe macht alles noch schlimmer!
- konkrete Sorge bis hin zu Angst um eine geliebte Person!
- ich verstehe nicht, was los ist!
- die Stimmungsschwankungen sind nicht (mehr) auszuhalten!
- plötzlicher Kontaktabbruch!
- verbal und körperlich impulsives Verhalten!
- wohin mit der eigenen Wut über all die Verletzungen?
- wie grenze ich mich von einer emotional instabilen Person ab?
- wieviel Unterstützung ist gut?
- es geht immer nur um die Betroffenen!
- wo und wie komme ICH eigentlich vor?
- wer hört mir eigentlich mal zu?
- ich kann nicht mehr!
- ich habe keine Kraft mehr!
-> Aussagen aus meinem persönlichen Umfeld!
Was bedeutet Borderline für mich?
Ich schildere hier, was Borderline für mich persönlich bedeutet. Wo ich Chancen aber auch Schwierigkeiten in der Diagnose Borderline sehe. Es handelt sich weder um einen wissenschaftlichen noch um einen literarischen Text und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:
als mir Borderline mit der Umschreibung Emotionsregulationsstörung angeboten wurde, konnte ich als selber Betroffene damit etwas anfangen. Ja, stimmt: mit Emotionsregulation habe ich irgendwie Schwierigkeiten. Als mir gesagt wurde, Borderline sei eine Persönlichkeitsstörung, habe ich mich massiv dagegen gewehrt. Erfreulicherweise wird derzeit darüber diskutiert, Borderline als Traumafolgestörung anstelle einer Persönlichkeitsstörung zu benennen.
Seit meiner Diagnose Borderline 2013 habe ich DBT-Skillsgruppen, Klinikaufenthalte auf DBT-Stationen, mehrere Alkoholentzüge bis hin zur Nüchternheit seit 2022, eine mehrjährige Traumaaufarbeitung und das Zurückgewinnen eines selbstbestimmten Daseins durchlebt. Allein das Vorhandensein des aus meiner Sicht hilfreichen Therapiekonzepts der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) ist ein lebenswertes Leben nicht umgesetzt: es bedeutet von Betroffenenseite ein zutiefst aktives JA und die Bereitschaft, kurzzeitig tatsächlich noch mehr zu leisten! Zudem war für mich ein mutiges, offenes, zugewandtes Umfeld enorm hilfreich. Auf meinem Weg seit 2013 habe ich einige Menschen los lassen müssen und konkret verloren, gleichzeitig sehr viele dazu gewonnen!
Das nach&nach-Auflösen der komplexen Verstrickungen einer Borderline-Traumafolgestörung ist kräftezehrend und gleichzeitig unendlich lohnenwert. Es braucht viel Zeit plus Geduld von allen: Betroffenen, angehörigem Umfeld und gut geschulten, professionellen DBT-Fachkräften.
Meine Diagnose Borderline war meist hilfreich, immer unvollständig!
Meine Diagnose Sucht war meist hilfreich, immer unvollständig!
Meine Diagnose komplexe Posttraumatische Belastungsstörung war meist hilfreich, immer unvollständig!
Diagnosen von Störungsbildern sind Feststellungen, nicht mehr oder weniger, und können zu Stigmatisierung führen. Laut Gabor Maté (Arzt aus Kanada, Autor und Experte für Themen Sucht, Stress, Trauma und kindliche Entwicklung) sind Störungen Ausdruck unversorgter Verletzungen bzw. unmittelbarer Selbstschutz. Seiner Meinung nach liege in jeder entwickelten Störung oder Sucht ein Sinn.
Ich habe das komplexe Zusammenspiel all meiner Symptome im Bereich Borderline, Sucht und kPTBS nachvollzogen und verstanden und stimme Gabor Maté aus heutiger Sicht zu: es macht alles Sinn!
Marsha Linehan (*1943, Tulsa, Oklahoma)
Entwicklerin der DBT
Mit 68 Jahren betrat Marsha Linehan als cis-weibliche Person die Bühne und sprach erstmals öffentlich über ihre eigene Betroffenheit. Das Institute of Living, an dem die Veranstaltung 2011 statt fand, war nicht zufällig gewählt: dort war sie als 18-Jährige für 2 Jahre und 1 Monat Patientin auf der geschlossenen Abteilung. 2013 (also 2 Jahre nach der Sichtbarmachung von Marsha Linehan) erhielt ich meine Borderline-Diagnose. Sie entschied sich für die für mich nachvollziehbare Stille u.a. wegen der patriarchalen, stark männlich geprägten Strukturen innerhalb der Universitäten und der Sorge vor Stigmatisierung. Mit einer unendlichen inneren Kraft und unbändigem Willen entwickelte und erforschte Marsha Linehan mit bemerkenswerten Wegbegleiter:innen wie u.a. Martin Bohus die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) - einem weltweit anerkannten und erfolgreichen Therapiekonzept im Bereich nachhaltige Emotionsregulation mit ganzheitlichem Ansatz. Als ich 2015 erfuhr, dass die DBT von einer selber Betroffenen entwicklet wurde und in einem weiblichen Körper steckt, war ich zutiefst berührt - und bin es bis heute!
In ihren Memoiren „Building a Life Worth Living“ aus dem Jahr 2020 schreibt sie:
„Meine Beziehung zu meiner Vergangenheit ist so, dass es sich anfühlt, als hätte eine andere Person die Hölle durchlebt (...). Es ist einfach so traurig, dass jemand das durchmachen muss, was ich durchgemacht habe. Ich bin heute ein ganz anderer Mensch als damals.“
Carola Schaal ist ebenso mittlerweile ein ganz anderer Mensch - nicht mein äußeres Erscheinungsbild, aber mein inneres Erleben:
damals war der Borderline-Rahmen zutreffend!
heute bewege ich mich als Finelinerin!
(Marsha Linehan hat über Jahre versucht, den Begriff Borderline los zu werden, sie persönlich hält ihn für wenig aussagekräftig - was ich sehr sysmpathisch finde. Sie prägte die alternative Bezeichnung Emotionsregulationsstörung anstelle von Borderline.)
Wie mir scheint war sich Marsha Linehan durchaus über bestehende patriarchale Strukturen bewusst. Bemerkenswert finde ich, wie sie in ihren Memoiren beschreibt, in tiefgreifenden Meditationserfahrungen verstanden zu haben, dass menschlich-spirituelles Erleben geschlechstlos sei, allerdings das reale Erleben gesellschaftlichen Konstrukten folge und keine Gleichbehandlung darstelle.
Transparenz in geschütztem Raum, gegenseitiges Verständnis bzw. Verstehen und radikale Akzeptanz haben die enorme Kraft, die Basis von Veränderung zu schaffen.
Im Sinne von Marsha Linehan’s ersten Worten in ihren Memoiren:
If I can do it, you can do it.
Wenn ich das kann, kannst du das auch.
Danke Marsha Linehan!
Was ist DBT-Peer-Coaching?
Ein:e DBT-Peer-Coach:in kennt die Borderline-Herausforderung aus eigener Erfahrung, hat gelernt damit umzugehen und wird weitergebildet, anderen Betroffenen u. a. mit Hilfe der DBT zu unterstützen. Das Konzept DBT-Peer-Coaching wurde maßgeblich von den beiden Trainerinnen Yvonne Scharf und Anja Link entwickelt und umgesetzt. DBT-Peer-Coaching ist in der Anerkennungsphase.
https://www.dachverband-dbt.de/dbt_peer_coaching/weiterbildung
Referenz Doreen Drahtseiltanz e.V. (Angehörige) nach einer Beratung bei Carola:
„Bei Carola kommen mehrere Dinge auf besondere Weise zusammen: Ihre Biografie, ihre Ausbildung und ihre außergewöhnliche Persönlichkeit. Sie versteht Themen aus der Perspektive einer Betroffenen und begegnet Menschen dadurch mit echter Empathie und Authentizität. Ihre Kompetenz ist es, Erlebnisse, Ideen und Ziele in einen sicheren, tragfähigen Rahmen zu übersetzen. Besonders beeindruckt mich, wie sie zuhört und ihre Gabe, das Wesentliche dann wertschätzend, klar und mit Leichtigkeit auf den Punkt zu bringen.
KLEIDER LEBEN SCHICHTEN
Videoarbeit 2025
Performance / Text / Musik
Carola Schaal
ich habe mir für KLEIDER LEBEN SCHICHTEN die Fragen gestellt:
Kann man das Leben in Kleidungsschichten beschreiben?
Wie entsteht Borderline?
Was macht eine DBT-Peer-Coachin?

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